Korrelation einfach erklärt

Korrelation klingt nach Beweis, ist aber nur ein Hinweis. Wir erklären, was eine Korrelation wirklich aussagt, was eine Scheinkorrelation ist und wo die Grenze zur Kausalität verläuft.

Korrelation ist vielleicht das am häufigsten missbrauchte Wort in der Datenwelt. Es klingt nach Beweis, ist aber nur ein Hinweis. Wer den Begriff sauber versteht, schützt sich vor einem der teuersten Denkfehler im Marketing. Wir erklären Korrelation hier anschaulich, mit Beispiel, und zeigen, wo die Grenze zur Kausalität verläuft.

In drei Sätzen

  • 01Korrelation beschreibt, wie eng zwei Größen gemeinsam schwanken, nach oben oder nach unten.
  • 02Eine hohe Korrelation ist ein Muster, kein Beweis für Ursache und Wirkung.
  • 03Scheinkorrelationen entstehen, wenn zwei Dinge zufällig oder durch einen gemeinsamen Treiber im Gleichklang laufen.

Die einfache Definition

Definition

Korrelation

Ein Maß dafür, wie stark sich zwei Größen gemeinsam bewegen. Bei einer positiven Korrelation steigt die eine, wenn die andere steigt. Bei einer negativen fällt die eine, wenn die andere steigt. Der Wert reicht von plus eins, perfekter Gleichlauf, über null, kein Zusammenhang, bis minus eins, perfekter Gegenlauf. Korrelation sagt nichts darüber, warum sich die Größen gemeinsam bewegen.

Wichtig ist dieses letzte Wort, warum. Die Korrelation erkennt das Muster, aber sie kennt die Ursache nicht. Sie sieht, dass zwei Linien parallel laufen, aber nicht, ob die eine die andere zieht, ob beide von etwas Drittem gezogen werden, oder ob es reiner Zufall ist.

Was bedeutet korrelieren?

Zwei Größen korrelieren, wenn sie sich erkennbar gemeinsam verändern. Sagt jemand, der Umsatz korreliert mit dem Wetter, heißt das: An warmen Tagen ist der Umsatz tendenziell höher, an kalten niedriger, oder umgekehrt. Korreliert heißt also nur, dass ein Muster da ist. Ob das Wetter den Umsatz beeinflusst oder beides von etwas Drittem abhängt, ist damit noch nicht gesagt.

Beispiele für Korrelation

  • Positive Korrelation: Körpergröße und Schuhgröße. Größere Menschen haben im Schnitt größere Füße, mit vielen Ausnahmen.
  • Negative Korrelation: Preis und Absatz. Steigt der Preis, sinkt meist die verkaufte Menge.
  • Keine Korrelation: Hausnummer und Einkommen. Die Werte hängen erkennbar nicht zusammen.
  • Scheinbare Korrelation: Bei Bränden mit mehr Feuerwehrleuten entsteht mehr Schaden. Nicht weil die Feuerwehr Schaden anrichtet, sondern weil große Brände beides verursachen.

Ein Beispiel aus dem Marketing

Über ein Jahr betrachtet korrelieren in vielen Online-Shops die Werbeausgaben stark mit dem Umsatz. Mehr Ausgaben, mehr Umsatz, die Linien laufen fast parallel. Daraus könnte man schließen, jede Erhöhung der Ausgaben bringt mehr Umsatz. Doch ein großer Teil dieser Korrelation kommt schlicht daher, dass beide im Weihnachtsgeschäft gemeinsam hochgehen. Die Saison treibt sowohl die Ausgaben als auch den Umsatz. Die nackte Korrelation überschätzt deshalb, was eine zusätzliche Werbeausgabe wirklich bewirkt.

WerbeausgabenUmsatzZeit über ein Jahr
Zwei stark korrelierte Linien. Sie laufen fast deckungsgleich, doch der Gleichlauf allein verrät nicht, ob die eine die andere verursacht oder ob ein gemeinsamer Treiber dahintersteckt.

Den Korrelationskoeffizienten richtig lesen

Die Stärke einer Korrelation wird meist mit dem Korrelationskoeffizienten r nach Pearson angegeben. Er misst, wie gut sich die Punkte zweier Größen durch eine gerade Linie beschreiben lassen. Das Vorzeichen zeigt die Richtung, der Betrag die Stärke. Für die Einordnung des Betrags haben sich grobe Richtwerte eingebürgert.

Richtwerte nach Cohen. Sie ersetzen nicht den Blick auf die Daten und sagen nichts über Ursache und Wirkung.
Betrag von rÜbliche EinordnungWas das praktisch heißt
unter 0,1kein Zusammenhangdie Punkte streuen ohne Muster
ab 0,1schwachMuster nur in großen Datenmengen erkennbar
ab 0,3mittelTendenz mit bloßem Auge sichtbar
ab 0,5starkdeutlicher Gleich- oder Gegenlauf
nahe 1nahezu perfektfast alle Punkte liegen auf einer Linie

Zwei Hinweise dazu. Erstens misst r nur lineare Zusammenhänge. Eine Werbekurve, die erst steil steigt und dann abflacht, kann einen echten, starken Zusammenhang haben und trotzdem ein mittelmäßiges r zeigen. Genau so eine Kurve ist die Sättigung. Zweitens gibt das Quadrat von r an, welcher Anteil der Schwankung gemeinsam auftritt. Ein r von 0,5 bedeutet also nur 25 Prozent gemeinsame Schwankung.

Berechnen musst du den Koeffizienten nicht von Hand. In Excel und Google Tabellen liefert die Funktion KORREL mit zwei Spalten als Bereich direkt den Wert für r.

Definition

Scheinkorrelation

Eine Korrelation zwischen zwei Größen, die in Wahrheit nichts miteinander zu tun haben. Sie entsteht durch Zufall oder durch eine dritte Größe, die beide treibt. Berühmt sind kuriose Beispiele, etwa wenn die Zahl der Filme mit einem bestimmten Schauspieler mit einer ganz unverbundenen Statistik korreliert, nur weil beide über die Jahre zufällig ähnlich verlaufen.
Korrelation ist die Frage, bewegen sie sich zusammen. Kausalität ist die Frage, bewegt das eine das andere. Diese beiden Fragen zu verwechseln kostet im Marketing echtes Geld.

Korrelation und Kausalität

Hinter jeder Korrelation stecken grundsätzlich vier Möglichkeiten: A beeinflusst B, B beeinflusst A, eine dritte Größe beeinflusst beide, oder es ist Zufall. Nur die erste Möglichkeit rechtfertigt die Aussage, mehr von A bringe mehr von B. Was eine echte Ursache ausmacht, erklärt der Begriff kausaler Zusammenhang.

Was Korrelation trotzdem wertvoll macht

Das alles heißt nicht, dass Korrelation nutzlos ist, im Gegenteil. Sie ist oft der erste Hinweis, der eine genauere Untersuchung anstößt. Wenn zwei Größen stark korrelieren, lohnt es sich zu fragen, warum. Manchmal steckt ein echter kausaler Zusammenhang dahinter, manchmal ein gemeinsamer Treiber, manchmal Zufall. Die Korrelation öffnet die Tür, die Antwort liefert erst die Prüfung auf Kausalität.

In der Praxis heißt das, nutze Korrelationen als Kompass, nicht als Beweis. Sie zeigen dir, wo es sich lohnt, genauer hinzusehen. Den Beweis für Wirkung liefern dann Experimente oder Methoden wie Causal Impact, die den Einfluss dritter Größen herausrechnen.

Deine Frage, unsere Antwort

Verlässt du dich auf eine Korrelation, die vielleicht nur ein gemeinsamer Treiber ist?

Diesen Beitrag haben wir aus echten Projekten geschrieben. Deine konkrete Situation schauen wir uns gern persönlich an und antworten mit einer fundierten Einschätzung statt einer Standard-Floskel. Genau dafür gibt es uns.

Per E-Mail

Wir antworten in der Regel innerhalb von 24 Stunden.

Häufige Fragen zum Thema

Die wichtigsten Nachfragen, die uns nach diesem Beitrag erreichen.

Korrelieren bedeutet, dass sich zwei Größen erkennbar gemeinsam verändern. Steigt die eine, steigt oder fällt die andere tendenziell mit. Das Wort beschreibt nur das Muster, nicht die Ursache.
Als grobe Richtwerte gelten nach Cohen ein Betrag des Korrelationskoeffizienten ab 0,1 als schwach, ab 0,3 als mittel und ab 0,5 als stark. Die Richtwerte ersetzen nicht den Blick auf die Daten, weil der Koeffizient nur gerade Zusammenhänge misst.
Sie bedeutet, dass zwei Größen sich gemeinsam bewegen. Ob das ein echter inhaltlicher Zusammenhang ist oder Zufall, sagt die Korrelation nicht. Eine hohe Korrelation ist ein Anlass für genaueres Hinsehen, kein Beweis. Erst die Prüfung auf Ursache und Wirkung klärt, ob wirklich etwas dahintersteckt.
Das ist die Zahl, die die Stärke der Korrelation ausdrückt, meist mit dem Buchstaben r bezeichnet. Sie reicht von minus eins bis plus eins. Werte nahe plus oder minus eins bedeuten starken Gleich- oder Gegenlauf, Werte nahe null bedeuten kaum Zusammenhang. Der Koeffizient sagt aber weiterhin nichts über Ursache und Wirkung.
Frage dich, ob es eine dritte Größe gibt, die beide Seiten treiben könnte, etwa Saison, Wetter oder ein allgemeiner Trend. Prüfe außerdem, ob der Zusammenhang inhaltlich plausibel ist. Wenn weder ein direkter Mechanismus noch ein gemeinsamer Treiber erkennbar ist und die Größen trotzdem korrelieren, ist Zufall wahrscheinlich.
Als Frühwarn- und Suchwerkzeug. Korrelationen zeigen, wo sich ein genauerer Blick lohnt, und helfen, Hypothesen zu bilden. In der Prognose können auch rein korrelative Muster nützlich sein, solange die Bedingungen stabil bleiben. Für Entscheidungen über Ursache und Wirkung braucht es aber den zusätzlichen Schritt zur Kausalität.

Weiterlesen